L-Movement

Wie funktioniert Lachen? Welche Energie überträgt sich? Wie verbindet und trennt Lachen? Der Körper ist Ausgangspunkt der Choreographie. Er kann Sender und Empfänger sein. Das Stück sucht nach einer neuen Tanzsprache, die vom Rumpf geführt wird. ‚L-Movement‘ erzählt auf formaler und ästhetischer Ebene im Fluss der Bewegung, das Verhältnis der Körper zum Lachen und umgekehrt. Die Choreographie setzt sich mit der sozialen, gesellschaftlichen und politischen Funktion des Lachens auseinander. 

Durch Lachen eine neue Bewegungsart schaffen

Die Choreographie von „“L- Movement“ ist eine experimentelle Forschungsarbeit, die sich mit dem Phänomen ‚Lachen‘ beschäftigt. 

Der Körper ist Ausgangspunkt der künstlerischen Recherche. Er kann Sender und Empfänger sein. Das Zentrum des Lachens ist der Rumpf bzw. der Torso. Ihn zu isolieren, zu präsentieren und durch die Isolation zum Ausdruck, zum Sprechen zu bringen, ist eines der Forschungsfelder des Projektes. 

“L-Movement” erzählt auf formaler und ästhetischer Ebene im Fluss der Bewegung, das Verhältnis der Körper zum Lachen und umgekehrt. Narrative Elemente verdichten sich im Rhythmus und lösen sich zugleich wieder auf. Die Abstraktion der choreographischen Interpretation steht im Vordergrund. 

Welche Dynamik entwickelt Lachen aber auch in Gruppen? Z.B. im Kontext Mobbing spielen sowohl körperliche Haltung als auch Auslachen eine Rolle. Liebe und Lachen berührt den Moment der Scham, als auch den, des gegenseitigen Erkennens. Gibt es unterschiedliche Arten von Lachen zwischen Geschlechtern und Altersgruppen? Ein Blick der Arbeit ist auch das Herausarbeiten unterschiedlicher Lachkulturen und deren Konstruktion. 

L-Movement setzt sich mit der sozialen, gesellschaftlichen, politischen und psychologischen Dimension des Lachens auseinander. 

Seit den 60iger Jahren erforschen WissenschaftlerInnen das Lachen. Im Rahmen des 2. Stuttgarter Wissenschaftsfestivals 2022 wird die Produktion L-Movement mit Ausschnitten der Probenarbeit und in Kooperation mit dem Institut Français und Theater tri-bühne am Freitag, den 24. Juni teilnehmen. Im Anschluss findet ein Impuls Vortrag des französischen Philosophen Vincent Cespedes und eine moderierte Diskussion zum Thema ‚Lachen‘ statt.

“Das Wunderbare an echtem Lachen ist, dass es jede Art von System zerstört, das Menschen trennt.” John Cleese (britischer Komiker) 

Lachen als soziale Funktion erhält in der aktuellen sozialen Entwicklung eine große Bedeutung. Bereits ohne Covid-19 unterliegt in manchen Gesellschaften das Lachen einer gewissen Kontrolle. Es ist so, dass man immer wieder individuell aufpasst, man kontrolliert sich. Der Virus verstärkt die Kontrolle des Individuums in Kontakt zu treten. 

Dieses Stück will dahin kommen, dass die Leute sich mit dem Phänomen Lachen beschäftigen. Durch genaues Hinschauen soll eine Stimmung entstehen, in der über ‚Lachen‘ anders (!) nachgedacht werden kann. Dadurch verbindet man sich mit anderen Leuten. Es entsteht eine Brücke. Man wird Gemeinschaft, Gesellschaft, auch bei Distanz. 

Ziel ist u.a. auch die Erkenntnis zu übertragen, dass man Lachen nicht kontrollieren darf. Lachen ist System sprengend, es dehnt sich aus und wir haben diese Wirkung dann überall. 

Indem ‚L-Movement‘ den Versuch unternimmt, eine neue Bewegungsart zu erschaffen, neue Tanzformen zu entwickeln, kann das Publikum über Körper und Lachen anders nachdenken, den eigenen damit ins Verhältnis setzen und anders wahrnehmen. 

Die KünstlerInnen bringen individuelle Erkenntnisse des eigenen Lachens in den Probenprozess mit ein. Diese offenbaren zugleich die kulturell bedingten Unterschiede. Beginnend von der Ausgangssituation ‚Wir sind anders‘, widmet sich die Choreographie den damit einhergehenden Kommunikationsmöglichkeiten. Dies geschieht mittels der künstlerischen Bandbreite, den unterschiedlichen Persönlichkeiten, professionellen und kulturellen Hintergründen der Beteiligten, Verständnissen zu Lachen und mit Hilfe der Palette der jeweiligen Darstellungsmöglichkeiten innerhalb des gesamten Teams. 

Durch das Aufeinandertreffen von verschiedenen Stilmitteln entsteht Kontrast und zwischen diesen Kontrasten kann sich Erkenntnis und /oder Poesie zeigen.
Mit den Mitteln des experimentellen, zeitgenössischen Tanzes eröffnet sich ein Raum, in dem die Dimension von ‚Lachen‘ in der gesamten Komplexität visualisieren werden kann. Es geht darum, eine tänzerische Sprache für innere als auch äußere Vorgänge des Lachens zu finden. 

Premiere: 14.07.2022/ 19Uhr/ Theater Tri-bühne Stuttgart

Die Recherche wurde gefördert durch das Stipendienprogramm „10qm/Korona Katalyse“ der Stadt Stuttgart, vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und von der Dachverband Tanz. Mit freundlicher Unterstützung von der Tanz und Theaterwerkstatt Ludwigsburg, vom Produktionszentrum Tanz + Performance Stuttgart.


Fotografie: Peter Pöschl